Adventskalendergeschichte
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Werbung 4. Adventskalendergeschichte 2021 Türchen 16

 

Adventskalendergeschichte

 

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Hey, Hallo und schön, dass Ihr da seid.

 

Mit dem 16. Türchen geht die Geschichte heute weiter.
Das heutige Türchen 16.12.2021 kommt von Autorin Heike Bäcker.

 

Türchen 16
Schon wieder habe ich das Gefühl, dass mir alles über den Kopf wächst. Kann mich nicht endlich mal jemand einweihen, worum es hier eigentlich geht? Verwirrt umklammere ich den roten Kristall in meiner Hosentasche. Der, der mir bisher so viel Wärme und Sicherheit schenkte, und nach der ich mich in diesem Chaos jetzt so sehr sehnte. Aber er bleibt kalt. Seine Energie ist schon wieder aufgebraucht. Ich bin enttäuscht, kann aber nicht anders und meine Gedanken wandern zu Ilse.
Auch wenn der Stein kalt bleibt, in meinem Herzen wird es warm. Ich habe sie immer gemocht. Mehr noch als das. Ich hatte viel Zeit mit ihr verbracht, denn ihr sonniges Gemüt glich dem meinen. Ich hatte es bisher nie bemerkt, aber nun erkannte ich umso deutlicher, dass uns etwas ganz Besonderes verband. Dieses Gefühl übermannt mich und mir laufen Tränen des Glücks über die Wange. Ihre Liebe in meinen Gedanken fest verankert, lässt den Stein in meiner Hand wieder mit Energie aufladen.
Plötzlich wird alles wieder still um mich herum. Das Stimmengewirr von Michaela, Marion, Helga, Karin und all den anderen lieben Menschen auf dieser Straße tritt wieder in weite Ferne und ich spüre einen heißen Atem an meinem Ohr. So wie in Ilses Küche, steht schon wieder jemand hinter mir. Dieses Mal ist es jedoch keine kalte Hand, die meine Schultern umfasst. Dieses Mal sind es warme Finger, die mir Wärme und Geborgenheit schenken, so wie der Stein in meiner Hosentasche.
„Susanne“, höre ich eine wohltuende Stimme in mein Ohr flüstern. „Du gehst viel zu durchdacht an diese Sache heran. Weihnachten hat nichts mit Rationalität zu tun. Höre einfach mal auf dein Herzbauchgefühl. Du weißt es doch längst! Wie oft brauchst du diese Worte denn noch von mir? Vertraue dir selbst!“
Langsam drehe ich mich um. Da steht er wieder. Der Mann mit dem roten Mantel und der Kapuze. Seine dünnen Beine stecken in schwarzen Hosen und er trägt dazu schwarze Schuhe, die im Licht der Laterne glänzen. Meine Augen verengen sich. Jetzt, wo er so dicht vor mir steht, erkenne ich ihn wieder und verstehe auch die Rolle, die er hier spielt.
Ich schlage mir mit der Hand vor die Stirn. Aber natürlich! Warum hat das nur so lange gedauert? Ich bin doch sonst nicht so begriffsstutzig. Sein Gesicht war in Ilses Küche von seiner Kapuze verdeckt gewesen. War das seine Absicht gewesen? Wie machte er das nur? Wie konnte er immer und überall dort sein, wo ich ihn gerade brauchte? Die Gedanken rasten durch meinen Kopf. Der Verkäufer, der mir den Kristall geschenkt hatte, den ich für dieses magische Vorhaben benötigte. Der Busfahrer, der mich dort hinbrachte, wohin ich zwar ursprünglich gar nicht wollte, wohin ich aber musste. Der Regisseur, der mich die ganze Zeit in meiner Geschichte leitete, damit ich sie so schreiben konnte, wie sie sein musste. Und jetzt? Jetzt war er der Mann in dem roten Mantel, der Weihnachten so sehr liebte und der so viel Liebe schenkte.
Ich schaute unweigerlich zu Helga, die immer noch wild gestikulierend in ihrem Grinch-Kostüm vor mir auf der Straße stand. Dieses Kostüm, das so verdammt echt aussah, als wäre sie der Grinch höchstpersönlich. So echt wie das von dem Weihnachtsmann, der jetzt vor mir stand.
Und plötzlich ergab alles einen Sinn: Das Böse, das lediglich durch eine riesige Enttäuschung zum Bösen wurde, weil seine Träume nicht in Erfüllung gegangen waren. Die Liebe, die jedes Jahr nicht nur zu Weihnachten und nicht nur den Kindern Glückseligkeit schenkte, sondern all den Erwachsenen auch, weil auch sie diese so dringend brauchten. Und dass das eine ohne das andere tatsächlich undenkbar war, weil wir Menschen nun mal so waren und es genau das war, was uns ausmachte. Und dann war da noch der rote Kristall. Der Stein der Liebe, der Schutzstein gegen das Böse, das seine Boshaftigkeit durch die Kraft der Liebe bekam. Oder war es umgekehrt? Vielleicht kam es einfach nur auf die Sichtweise an.
Und so sah ich plötzlich auch Ilse vor mir, die vor Liebe förmlich leuchtete. Nein, sie strahlte diese Liebe regelrecht aus. Und auch wenn sie jetzt im Heim war, so hatte sie doch nichts von ihrem Licht verloren. Es war immer noch da. So wie es auch in mir vorhanden war. Das war der Grund, warum sie sich mit mir unterhalten wollte und warum sie und ich es aufhalten mussten. Und wenn wir in der Lage wären, unsere Liebe mit der Magie des Steins zu kombinieren, dann wären wir alle gemeinsam dafür gewappnet, das Böse und die Liebe in ein gutes Gleichgewicht zu bekommen. Für unserer aller Ewigkeit.
Und genau das war es doch, worum es zu Weihnachten ging und worum es ja auch in diesem Theaterstück gehen sollte. Um Liebe, Magie und um die Ewigkeit.
Der Mann in dem roten Mantel lächelte mich an. Er sah es in meinen strahlenden Augen, dass ich nun endlich wusste, was zu tun war. „Na dann mal los! Wir haben noch viel Arbeit vor uns“, flüsterte er mir mit einem Augenzwinkern zu.

 

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