Adventskalendergeschichte
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Werbung 4. Adventskalendergeschichte 2021 Türchen 11

 

Adventskalendergeschichte

 

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Hey, Hallo und schön, dass Ihr da seid.

 

Was uns wohl heute in Türchen 11 erwartet?
Das heutige Türchen 11.12.2021 kommt von Autorin Agnes Hofer

 

Türchen 11
Der Kristall flackerte wie eine Kerzenflamme auf, so als wollte er eine Antwort geben.
Ich rückte meinen Sessel näher an die Balkontür, um das abendliche Treiben unten auf der Straße zu beobachten.
Dieses tägliche Ritual hatte ich mir irgendwann angeeignet, nachdem ich festgestellt hatte, dass ich somit die ganze Anspannung des Tages ablegen konnte und immer mehr zur Ruhe kam.
Ganz unbewusst nahm ich den Kristall an mich, umklammerte ihn mit beiden Händen und spürte erneut die Wärme und ein eigenartiges Kribbeln, das von ihm ausging und sachte durch meinen Körper rieselte.
So wie es unten auf der Straße immer ruhiger und leerer wurde, so entspannt wurde auch ich. Alles lief gleich ab wie jeden Abend und doch schien heute etwas anders zu sein als sonst, wobei ich jedoch nicht erkennen konnte, woran das lag. Die Lichter in den Läden gingen nacheinander aus, Autos fuhren weg und andere parkten ein.
Doch da, auf der gegenüberliegenden Straßenseite im Haus wo Ilse wohnte, brannte in jedem Raum das Licht. Man konnte ganz deutlich hinter den Fenstern die Gestalten erkennen, die sich in Ilses Küche vom Tisch zum Herd hin und her bewegten.
Nein, aber das konnte einfach nicht sein, es wird nie wieder so sein. Der Duft der Vanillekipferln der Kokosberge und Lebkuchen, der durch alle Straßen und Gassen zog.
Und Ilses Herzlichkeit und Liebe, die sie großzügig ausbreitete und so viele Menschen erfreuten und manch einsamer Seele unvergesslich schöne Stunden schenkte.
Sie gab all das, das was sie selbst nie hatte, weil sie immer alleine war, sich aber immer nach Geborgenheit und einer Familie gesehnt hatte.
Die konnte sie sich dann irgendwann jedes Jahr zur Weihnachtszeit wie von Zauberhand selbst erschaffen.
Sie fand Freunde, die zu einer großen Familie wurden, mit Kindern, Nichten, Neffen und Enkelkindern. Sie lebte in diesen vier Adventswochen richtig auf, und das, was sie gab, bekam sie jedes Mal vielfach wieder zurück.
Doch jetzt war das alles endgültig vorbei. Von den Heimmitbewohnern hatte sie erfahren, dass sie dieses Haus seit fast zwei Jahren nie mehr verlassen durften und dass sie monatelang auch keine Besuche erwarten durften.
Wer hätte das gedacht, dass so eine Pandemie über uns Menschen hereinbrechen würde und alles derart durcheinander und auseinander reißen könnte.
Ilse hatte immer alles geschafft und jedes Problem, das ihr im Wege stand, geschickt und mutig aus der Welt geräumt.
Wer hätte gedacht, welches Schicksal ihr noch bevorstand, dem sie hilf- und machtlos ausgeliefert war.
Dabei hatte sie nur noch einen einzigen letzten Wunsch: nur einmal noch alle ihre Freunde wiedersehen, in diese erwartungsvoll strahlenden Kinderaugen sehen, den würzigen Duft von Lebkuchen Zimtschnecken und Vanillekipferln riechen.
Und wer hätte gedacht, dass genau diese jungen Leute, denen sie damals so viel Freude beschert hatte, sie nie vergessen haben und ihr diesen letzten großen Wunsch erfüllen werden.
Der Kristall, den ich immer noch fest umklammert hielt, fühlte sich fast heiß an und kribbelte leicht in den Fingern.
Ein Blick auf die Uhr zeigte, dass zwei Stunden vergangen waren. Unten in den Gassen leuchteten nur noch die Straßenlaternen und man konnte einzelne Personen nur noch wie sich bewegende Schatten erkennen. Doch hinter Ilses Küchenfenster brannte immer noch Licht und Gestalten huschten eifrig hin und her.
Ohne zu überlegen was ich tat, warf ich mir einen Mantel über und verließ das Haus. Ich überquerte die Straße und stand vor Ilses Haustür, die einen Spaltbreit offen stand, sodass ich die fröhlichen Stimmen und die Weihnachtslieder ganz deutlich hören konnte.
Leise schlich ich weiter bis vor die Küchentür, die ganz offen stand, sodass ich Ilse gleich in ihrem Schaukelstuhl entdeckte, das Buch lag auf ihrem Schoß, ihre Augen strahlten pure Glückseligkeit aus, während sie vergnügt die jungen Leute bewunderte, die wie die sieben Zwerge eifrig in der Küche werkelten, den Teig kneteten, ausrollten und die Kekse ausstachen.
So langsam verstand ich alles, bis auf dem rätselhaften Mann der in dieser Geschichte auch eine Rolle spielte.
Aber welche?
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