Startseite

17. Türchen der Adventskalendergeschichte

Türchen 17 – Autorin Elke Kleist

 

Katharina schaute Elfie mit großen Augen an. “Ich muss mich ganz winzig machen?”
“Ja, unbedingt! Der Waldgeist ist schlau, aber er kann sehr schlecht sehen. Darum ist das so wichtig.”
“Aber wie soll ich das anstellen?” Skeptisch blickte Katharina an sich herunter.
“Was denkst du, wozu ich dir eben diesen Zaubertrank gegeben habe. Er hat magische Kräfte. Er kann dich im Nu ganz klein und dann auch wieder groß machen. Du musst es dir nur ganz fest wünschen. Es gibt nur einen Haken, der Trank wirkt nur eine Nacht lang. Wenn du das Buch bis dahin nicht hast, wirst du für immer klein bleiben und der Weihnachtsmann wäre verloren. ”
“Oh je, wie soll ich das in so kurzer Zeit schaffen? Und wo finde ich das Buch der Magier?”
“Klammere dich in Hyägels Fell. Er ist schnell wie der Wind. Das Buch hat der Wadgeist immer unter seinem langen Bart versteckt.”
Elfie hielt ein kleines Fläschchen hoch. “Hiermit kannst du das Buch schrumpfen lassen, damit du es tragen kannst. Aber du darfst nur einen einzigen Tropfen nehmen, hörst du, einen einzigen Tropfen. Und dann fix zurück in Hyägels Fell und hierher. Alles verstanden?”
Katharina nickte zögerlich.
“Ganz einfach also.” Elfi machte eine Handbewegung, als wäre das alles ein Klacks. “Und jetzt los. Hyägel wartet draußen schon auf dich.”
Von wegen alles ganz einfach, dachte Katharina. Doch sie wusste, es lag jetzt ganz allein bei ihr. Sie schnappte sich das Fläschchen, hastete vor die Tür und schwang sich auf Hyägels Rücken.
Nur wenig später kamen sie wieder bei der Höhle an. Aber der Eingang war in der Zwischenzeit zu einer engen Öffnung geschrumpft, durch die gerade mal die Eichhörnchen hindurch passten. Verzweifelt schaute sie den Wolf an. Er würde ihr nicht beistehen können. Sie musste sich allein auf den Weg zum Waldgeist machen.
“Ich warte hier auf dich, Katharina”, versuchte er sie mit seiner brummigen Stimme zu beruhigen. “Du machst das schon.”
Katharina schaute ihn besorgt an. “Ich komme so schnell es geht zurück. Lass mich nur nicht im Stich”, bat sie ihn und streichelte zärtlich seinen Kopf.
Dann schloss sie ihre Augen und wünschte sich, ganz klein zu sein. Sie spürte ein Kribbeln im ganzen Körper und als sie die Augen wieder öffnete, war sie tatsächlich winzig. Selbst ihre Stimme war nur noch ein Piepsen, als sie sich noch einmal von Hyägel verabschiedete. Schnell schlüpfte sie in die Höhle hinein und stellte beruhigt fest, dass auf einmal alles kleiner war. Wie hätte sie sonst wohl den Weg bis in die hinterste Ecke, in der der Waldgeist hauste, schaffen sollen.
“Hallo, Katharina”, hörte sie plötzlich jemanden ihren Namen rufen. Vor ihr tauchte das Eichhörnchen auf. “Wo willst du denn hin?”, flötete es und hopste fröhlich vor ihr hin und her.
“Ich muss ganz schnell zum Waldgeist und das Buch der Magier holen, damit meine Oma den Zaubertrank herstellen kann, der den Weihnachtsmann wieder gesund macht”, sprudelte es aus Katharina heraus.
“Oh!” Das Eichhörnchen schlug die Pfötchen vorm Mund zusammen. “Der arme Weihnachtsmann und die vielen armen Kinder.” Es überlegte einen Moment und hob dann triumphierend ein Paar Rollschuhe vom Boden auf. ”Hier, damit bist du viel schneller.”
Katharina bedankte sich strahlend und flitzte los. Erst ganz kurz vor der finsteren Kammer des Waldgeistes verlangsamte sie ihr Tempo. Sie brauchte einen Plan. Sie schnallte die Rollschuhe ab und schlich sich vorsichtig um die Ecke.
Der enge Gang mündete in eine hohe, weite Halle, in der Katharina sich noch winziger fühlte, als sie so schon war. Der Waldgeist saß in seinem riesigen Sessel, die Hände vor seinem riesigen Bauch verschränkt und starrte gebannt auf einen riesigen Fernseher, in dem Bares für Rares lief. Trotz der angespannten Situation musste Katharina kichern. Das schaute ihre Oma auch immer. Wenn Katharina sie dann etwas fragte, hörte Oma es nie, weil sie so in die Sendung vertieft war, dass sie alles um sich herum vergaß. Wenn es dem Waldgeist auch so ginge, könnte sie leichtes Spiel haben und ratzfatz an das Buch heran kommen.
Katharina kroch auf allen Vieren von hinten an ihn heran. Sicher war sicher. Dann hangelte sie sich an seinem Hosenbein vorsichtig hoch und gelangte unbemerkt bis zu seinem Bart, der eher einem dichten Wald glich. In Schwerstarbeit kämpfte sie sich hindurch und erstarrte. Da war kein Buch!
In dem Augenblick schlug sich der Waldgeist begeistert auf die Schenkel, und stieß Jubelschreie aus. Katharina konnte sich nur mit Mühe an einem seiner Barthaare festhalten und wurde wüst hin und her geschleudert. Als sie sah, was den Waldgeist so erfreut hatte, wäre sie vor Schreck fast abgestürzt. Ein seltsames Männchen stand im Fernseher und stellte sein Buch vor. Das große Buch der Magier!

 

 

Türchen 17

Lesemamas auf Facebook

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.